Sein eigenes Start-Up zu besitzen scheint ein wundervoller Traum zu sein. Denn jeder kennt sie, die berühmten Start-Ups unserer Zeit: Facebook, Uber, AirBnB, Instagram, Snapchat, alle gegründet von Millenials und jungen Entrepreneuren. Sie stellen aber nur die Speerspitze des aktuellen Start-Up Hypes dar. Scheinbar möchte jeder junge Uniabsolvent, sofern er denn bis zum Uniabschluss wartet, sein eigenes Unternehmen gründen. Start-Up Gründer sein bedeutet damit nicht nur Abenteuerlust und sein eigenes Ding machen, sondern es ist auch ein Status Symbol. In den USA ist dies noch stärker der Fall als in Deutschland. Aber wer sich z.B. in Berlin oder München umschaut, wird auch dort zahlreiche eifrige Junggeister sehen. Sie wollen die Welt zu einem besseren Ort machen oder Innovationen hervorbringen, die alte Geschäftsmodelle hinterfragen.

Datenlage zum aktuellen Start-Up Hype

So viel zu der Wahrnehmung von Start-Ups und Entrepreneuren. Wie sieht aber die Datenlage dazu aus? Ein kürzlich erschienen Artikel des World Economic Forum hinterfragt, ob die Millenials, geboren in den 80er und 90er Jahren, wirklich so innovativ und gründerisch ist, wie es die Öffentlichkeit wahrnimmt: Der durchschnittliche Unternehmensgründer ist 40 Jahre alt. Außerdem versuchen sich die über 55 Jährigem als Unternehmen doppelt so häufig wie die 20 Jahre jüngeren Personen. Zudem fand eine Umfrage von monster.com, dass 32% der Millenials sich als Entrepreneure sehen. Bei der Generation X  sind es 41% und bei den Baby Boomen 45% (um mehr über die unterschiedlichen Generationen zu erfahren, empfehlen wir: Der demographische Wandel: Wenn sich vier Generationen treffen). Als Gründe führen die MIllenials häufig fehlende finanzielle Ressourcen und ein Mangel an Erfahrung an.

Außerdem scheint es aktuell keine gute Zeit für Unternehmensgründer zu sein. In den USA ist der prozentuale Anteil der neuen Firmen an allen Firmen seit 1978 um 44% gesunken, wie eine Studie aus dem Jahr 2015 zeigt.

Unterschied zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit

Somit gibt es einen großen Unterschied zwischen der Wahrnehmung und der Datenlage. Was bedeutet dies? Neue Unternehmen sind wichtig für eine gesunde Wirtschaft. Aber auch für bestehende Unternehmen sind Start-Ups hilfreich. Denn sie können etablierte Unternehmen und Produkte herausfordern und so den Wettbewerb und damit Innovationen antreiben. Durch Start-Ups können Unternehmen die Wichtigkeit und Dringlichkeit von Investitionen in die Zukunft und Veränderungen realisieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Entrepreneurship und Start-Up Mentalität

Es geht aber nicht nur um neue Firmen, sondern auch um eine Start-Up Mentalität und einen Gründergeist im eigenen Unternehmen. Gerade in der schnelllebigen Welt von heute ist es wichtig, dass Unternehmen sich schnell bewegen, anpassungsfähig bleiben und Fortschritt forcieren. Daher ist der entscheidende Faktor für den nachhaltigen Erfolg eines Unternehmen die Menschen, die diese Veränderungen antreiben. Nur wenn diese sich für das Unternehmen einsetzen und die Trends wirksam einsetzen, wird das Unternehmen langfristig erfolgreich bleiben. Solche Menschen werden als Entrepreneure bezeichnet. Denn Entrepreneurship heißt nicht zwangsläufig, dass man sein eigenes Unternehmen gründet, sondern es sind unter anderem drei Faktoren, die einen Entrepreneur ausmachen. Und diese Faktoren gelten sowohl für Gründer als auch für Arbeitnehmer im Unternehmen.

Drei Eigenschaften eines Entrepreneurs

Verantwortung übernehmen: Entrepreneure übernehmen Verantwortung für das Unternehmen und handeln so als wäre es ihr eigenes. Sie fühlen sich auch verantwortlich für Dinge und Projekte, die nicht direkt in ihrer Arbeitsbeschreibung stehen. Außerdem sind sie bereit, die berühmte extra Meile zu gehen, weil sie wahrhaftig am Erfolg des Unternehmens interessiert sind.

Innovativen und Veränderungen vorantreiben: Entrepreneure suchen aktiv nach Verbesserungen und treiben Innovationen voran. Sie sind niemals mit dem Status Quo zufrieden und hinterfragen die aktuellen Prozesse. Sie initiieren Veränderungen und sorgen so für den Fortschritt des Unternehmens ohne alles auf einmal verändern zu wollen.

Risiken eingehen: Entrepreneure sind bereit, Risiken einzugehen und Dinge zu wagen, die nicht 100% sicher sind. Sie sind handlungsorientiert und probieren gerne Dinge aus. Sie evaluieren ihre Handlungen schnell, um zu entscheiden, ob sie weiter fortgeführt werden sollten. Da sie das Unternehmen als ihr eigenes behandeln, gehen sie aber keine Risiken ein, die das Unternehmen gefährden.

Die Datenlage zeigt aber, dass sich diese Eigenschaften nicht so leicht finden lassen, da die MIllenials scheinbar nicht so unternehmerisch sind wie es die Wahrnehmung postuliert. Daher ist es umso wichtiger, dass Unternehmen diese Eigenschaften identifizieren können.

2 Möglichkeit zur Erkennung von Entrepreneurship in jungen Menschen

Zum einen können Unternehmen darauf achten, ob Bewerber und junge Mitarbeiter bereits Erfahrungen in Start-Up ähnlichen Umwelten gesammelt und Entrepreneurship gezeigt haben. Bespiele dafür sind Uniprojekte und Simulationen, in der sie ein eigenes Unternehmen leiten mussten. Zudem zeigt die Übernahme von Verantwortung in Studentenorganisationen und -initiativen, dass sie bereit sind, mehr als der durchschnittliche Student zu leisten. Gerade in der Vorstandstätigkeit von NGOs oder Studentenorganisationen lernen Studenten, wie ein Unternehmer zu denken. Weil sie ein eigenes “Unternehmen” lenken müssen mit all den verschiedenen Stakeholdern und der Komplexität einer Organisation, sammeln sie wertvolle Erfahrung.

Zudem ist der Anteil an Start-Up Gründer mit Migrationshintergrund überdurchschnittlich groß in Deutschland. Sie besitzen scheinbar eine stärkere Start-Up Mentalität und einen unternehmerischen Geist wie ein kürzlich erschienener Artikel in The Economist argumentiert. Daher sollten Unternehmens auch verstärkt nach Personen suchen, die einerseits schon einen internationalen Blick haben und gleichzeitig gerne Verantwortung übernehmen und Risiken eingehen. Daher können gerade internationale Talente oder Personen mit Migrationshintergrund einen großen Mehrwert durch eine frische und unternehmerische Mentalität bieten.

Gerade bei der Rekrutierung von jungen Talenten sollten Unternehmen verstärkt nach Entrepreneuren suchen und nach deren Eigenschaften Ausschau halten. Dies wird den nachhaltigen Erfolg des Unternehmens sichern.

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